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Adventistischer Pressedienst
  1. Eine vegetarische Ernährung mit einem hohen Anteil an stark verarbeiteten Nahrungsmitteln kann das Sterblichkeitsrisiko stärker erhöhen als eine Ernährung mit rotem Fleisch. Dies geht aus einer kürzlich veröffentlichten Studie der Loma Linda University Health (Kalifornien/USA) hervor. Ihre Studie ergänzt das bisherige Wissen darüber, wie sich ultraverarbeitete Lebensmittel und rotes Fleisch auf die menschliche Gesundheit und Langlebigkeit auswirken. Mit vegetarischen ultra-verarbeiteten Lebensmitteln sind vor allem Süßigkeiten, Soft Drinks und Fleischersatzprodukte minderer Qualität gemeint.

    Ein hoher Verzehr ultraverarbeiteter Lebensmittel wird mit der Entstehung von Atemwegs-, Nierenerkrankungen und neurologischen Beeinträchtigungen in Verbindung gebracht – insbesondere Alzheimer und Parkinson. Viel rotes Fleisch dagegen kann das Risiko für Krebs und Herz-Kreislaufkrankheiten erhöhen. Die Sterblichkeitsrisiken dieser Ernährungsweisen wurden in der Studie mit denen einer gesunden Ernährung ins Verhältnis gesetzt und bewertet.

    Eine der größten Studien auf diesem Forschungsgebiet

    Im Vergleich zu den bisherigen Studien, in der die gesundheitlichen Auswirkungen ultraverarbeiteter und tierischer Lebensmittel untersucht wurden, war diese Studie mit über 77 000 Teilnehmern eine der umfangreichsten. Außerdem wurde eine Vielzahl von Ernährungsformen berücksichtigt, darunter vegetarische und nicht-vegetarische Darüber hinaus machten die Probanden Angaben zu Gewicht, Krankengeschichte, Alkoholkonsum, Schlaf, Bewegung, Lebensstil etc. Siebeneinhalb Jahre später waren 9293 Personen verstorben. Um eine noch größere Erkenntnis zu erlangen, entwickelten die Wissenschaftler ein statistisches Modell, das ihnen half, jede Variable unabhängig von anderen zu betrachten, darunter spezifisch die Aufnahme von ultraverarbeiteten Lebensmitteln. Die Ergebnisse der Studie, die ein Teil der Adventist Health Study-2 ist, wurden aktuell im Fachmagazin American Journal of Clinical Nutrition veröffentlicht.[i]

    Ergebnisse der Studie

    Als Ergebnis wurde festgehalten, dass Menschen, die 50 Prozent ihrer Gesamtkalorien aus ultraverarbeiteten Lebensmitteln bezogen, eine um 14 Prozent erhöhte Sterblichkeit aufwiesen, verglichen mit Menschen, die nur 12,5 Prozent ihrer Gesamtkalorien aus ultraverarbeiteten Lebensmitteln bezogen. Zum Vergleich: Wer täglich etwa 40 Gramm rotes Fleisch verzehrt, erhöhe sein Sterberisiko „nur“ um 8 Prozent – sofern er ultra-verarbeitete Lebensmittel weitgehend meidet.

    „Ungesunde Vegetarier – gesunde Nicht-Vegetarier“

    „Unsere Studie zeigt, dass es möglich ist, ein ungesunder Vegetarier oder ein gesunder Nicht-Vegetarier zu sein“, so Gary Fraser, MBChB, PhD, einer der Studienautoren und Professor an der Loma Linda University School of Medicine and School of Public Health. Sein Fazit: „Es scheint, dass der Anteil an ultra-verarbeiteten vegetarischen Lebensmitteln in der Ernährung in Bezug auf das Sterberisiko tatsächlich wichtiger ist als der Anteil an tierischen Lebensmitteln.“

    „Wenn Sie daran interessiert sind, länger zu leben, sollten Sie eine Ernährung mit stark verarbeiteten Zutaten vermeiden“, so Fraser abschließend. „Machen Sie zudem rotes Fleisch zur Ausnahme. So einfach ist das.“[ii]

    Loma Linda University Health

    Die 1905 gegründete Loma Linda University Health, eine Institution der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten, umfasst die acht Fakultäten der Loma Linda Universität (mit mehr als 4.400 Studierenden aus über 80 Ländern), die sechs Krankenhäuser des LLU Medical Center sowie mehr als 1.000 Fakultätsärzte in Südkalifornien. Loma Linda University Health bietet nach eigenen Angaben über 100 akademische Programme an und versorgt jährlich über 40.000 Patienten stationär und 1,5 Millionen ambulant.

    [i] Orlich MJ, Sabate J, Fraser GE, et al. (2022) Ultra-processed food intake and animal-based food intake and mortality in the Adventist Health Study-2. The American Journal of Clinical Nutrition

    [ii] Diese Meldung bezieht sich auf eine Pressemitteilung von Loma Linda University Health, siehe https://news.llu.edu/research/study-associates-higher-mortality-with-eating-lots-of-ultra-processed-foods-red-meat

  2. Laut einem Bericht der Adventistischen Entwicklungs- und Katastrophenhilfe ADRA Ukraine hat das Hilfswerk in der vergangenen Woche (ab dem 16. Mai) den Kriegsbetroffenen psychologische Hilfe angeboten und medizinische Güter verteilt. Dank der Unterstützung des Welternährungsprogramms der UNO (WFP) konnte in verschiedenen Regionen frisches Brot verteilt werden. Zudem repariert ADRA mit Hilfe von Freiwilligenteams Türen und ersetzt Schlösser.

    18 Psychologen leisten psychologische Hilfe in verschiedenen Städten

    Demnach haben in dieser Woche 18 Psychologinnen und Psychologen im Auftrag von ADRA Ukraine kostenlose Hilfe für Kriegsopfer geleistet. Sie arbeiten online und offline. Persönliche Beratungen finden in den Städten Kiew, Dnipro, Lwiw, Ternopil, Uman, Terniwka (Region Dnipropetrowsk) und Starokostiantyniv (Region Chmelnyzkyj) statt. Außerdem gibt es mobile Psychologenteams, die in anderen Städten der Ukraine kollektive Zentren aufsuchen.

    Medizinische Hilfe

    Durch die Unterstützung von ADRA International wurde eine größere Menge medizinischer Hilfsgüter in ein Lagerhaus in Mukachevo geliefert: Aderpressen, Verbandsmaterial, Wärmepackungen für die Wärmetherapie in Notfällen, hämostatische Verbände und andere Artikel. Die Ladung ist für das Zentrum für öffentliche Gesundheit des Gesundheitsministeriums der Ukraine in Kiew bestimmt.

    Nahrungsmittelhilfe

    Die Nahrungsmittelhilfe erreichte in dieser Woche verschiedene Regionen auch die Einwohner der Stadt Charkiw. Mehr als sieben Regionen haben mit Unterstützung des Welternährungsprogramms der UNO (WFP) und ADRA Ukraine frisches Brot erhalten. Nach den letzten Angaben im Rahmen dieses Projekts seit Beginn 525.000 Brote verteilt. ADRA Ukraine plant in naher Zukunft weitere Regionen ins Projekt aufzunehmen. Im Rahmen des Projekts „Hoffnung für die Ukraine“ wurden Lebensmittel an die Bewohner von Siedlungen in der Region Kiew verteilt: Bila Tserkva, Boryspil, Brovary, Fastiv, Uzyn, Boguslav und Boiarka sowie an Einwohner von Cherson.

    Reparaturteams im Einsatz

    Im Rahmen des Projekts „Hoffnung für die Ukraine“ wurde eine neue Hilfeleistung für Kriegsopfer gestartet: Freiwillige, vorwiegend in Butscha und Gostomel, stellen Türen her, bauen sie ein oder reparieren sie. Sie tauschen auch Türschlösser aus.

    Hilfe bei der Evakuierung

    Laut ADRA Ukraine nimmt die Zahl der durch das Hilfswerk Evakuierten täglich zu. Mit der Unterstützung von ADRA Tschechien wurden in der letzten Woche mehr als 2.500 Menschen aus gefährlichen Gebieten evakuiert. Rund 1.500 Menschen wurden dank des Projekts für sozialen Transport und Evakuierung aus Gefahrenzonen gebracht und mehr als 4.500 Personen wurden laut dem Hilfswerk im Rahmen des Projekts „Hoffnung für die Ukraine“ in sicherere Gebiete gebracht.

    ADRA Ukraine

    Die Hilfsorganisation ADRA Ukraine ist seit dem 21. Februar 1993 offiziell registriert und führt humanitäre Projekte durch. ADRA Ukraine hilft Opfern von Konflikten und Katastrophen, Binnenvertriebenen und ihren Familien, Waisen, Sozialwaisen in Waisenhäusern und Heimen, Krankenhauspatienten, hilft Menschen in Krisengebieten, Behinderten und älteren Menschen und fördert einen gesunden Lebensstil.

    Seit Beginn des Euromaidan, – so werden die Proteste in der Ukraine zwischen November 2013 und Februar 2014 bezeichnet – und des bewaffneten Konflikts im Donbass (Ostukraine) im Jahr 2014 hat ADRA Ukraine laut eigenen Angaben mehr als 950.000 Menschen geholfen.

  3. Die Kirchenleitung der Siebenten-Tags-Adventisten in Nordamerika hat am 18. Mai eine Erklärung zur Schießerei vom 14. Mai in Buffalo/New York abgegeben. Bei der Gewalttat hat ein 18-Jähriger in einem Supermarkt zehn Personen – mehrheitlich Afroamerikaner – getötet und drei weitere verletzt. „Die Mitglieder der Kirchenfamilie der Siebenten-Tags-Adventisten trauern um alle Menschen, die ihr Leben verloren haben, wenden sich aber insbesondere gegen die Massengewalt, wie sie sich am vergangenen Wochenende in Buffalo, New York, ereignet hat“, heißt es in der Erklärung.

    „Wir fühlen zutiefst mit jenen, die Angehörige und Freunde verloren haben, und mit jenen, die weiterhin unter den Folgen dieser sinnlosen Tat leiden werden … Wir beten um Heilung für alle, die davon betroffen sind. Doch so intensiv unsere Gebete gesprochen werden und unsere Gedanken denjenigen gelten, die durch dieses schreckliche Ereignis am Boden zerstört wurden, so können wir doch nicht dabei stehen bleiben.“

    Hass und Rassismus in allen Formen verurteilen

    „Wir verurteilen diesen sinnlosen und vorsätzlichen Anschlag des Hasses und der Gewalt. Wir rufen alle Menschen guten Willens auf, ihre Stimmen und Plattformen zu nutzen, um Hass und Rassismus in all seinen Formen zu verurteilen. Mögen wir diese böswillige Absicht als Katalysator nutzen, um uns antreiben zu lassen und zu zeigen, dass Liebe stärker ist als Hass.“

    Die adventistische Kirchenleitung ruft Kirchenmitglieder und Pastoren auf, für die Angehörigen ein Umfeld zu schaffen in dem sie sich angenommen fühlen und aussprechen können. Gleichzeitig soll in der Kirche darüber gesprochen werden, „wie die Gewalt und der Rassismus, die unser Land spalten, angegangen werden können.“

    „Wir glauben: ‚Der Herr ist nahe bei denen, die zerbrochenen Herzens sind, und hilft denen, die im Geist zerbrochen sind‘ (Psalm 34,18). Möge dies für all diejenigen gelten, die in dieser Zeit des Verlustes trauern und bedrückt sind.“

  4. „Das Täufertum und die Freikirchen“ war laut Mennonews.de am 6. und 7. Mai Thema einer Tagung des Vereins für Freikirchenforschung (VFF) und der Theologischen Hochschule Elstal des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) in Wustermark-Elstal bei Berlin.

    500 Jahre Täuferbewegung

    Im Jahr 2025 jährt sich zum 500. Mal die erste Gläubigentaufe, die als Beginn des reformatorischen Täufertums und der mit ihm verbundenen täuferischen Kirchen, wie Mennoniten, Baptisten und Siebenten-Tags-Adventisten, gilt. Seit dem Jahr 2020 nähern sich Mitglieder aus verschiedenen freikirchlichen und landeskirchlichen Gemeinden unter dem Motto „gewagt!“ dem Täufergedenken in Themenjahren an. Eine Tagung des Vereins für Freikirchenforschung und der Theologischen Hochschule Elstal widmete sich der Frage nach der Bedeutung des täuferischen Erbes für die heutige Zeit.

    Der baptistische Pastor Jens Stangenberg (Bremen) hob in seinem Vortrag hervor, dass die Täufer des 16. Jahrhunderts durch ihre kritische Haltung zum Bestehenden charakterisiert waren. Bei allem kritischem Hinterfragen stellten sie jedoch stets die Versöhnung in den Mittelpunkt. Die Täufer, so Stangenberg, lebten eine „Wir-Gestalt“ des Glaubens: lebensfördernd, friedensstiftend und das Miteinander der Menschen in den täuferischen Gemeinden stärkend. Keine zentrale institutionelle Instanz habe Vorgaben gemacht. Dies förderte die Mündigkeit und war, so Stangenberg, im positiven Sinne „Anarchie“.

    Auch die blinden Flecken sehen

    Dass auch die „blind spots“ einer Vergangenheit zur Sprache kommen müssen, darauf wies die Historikerin Astrid von Schlachta (Hamburg/Weierhof) hin. Die Mennoniten, heutzutage eine überzeugte Friedenskirche, standen in der Vergangenheit nicht immer zu ihrem Friedenszeugnis. Häusliche Gewalt, Unterstützung des Krieges beziehungsweise der Dienst an der Waffe gehörten immer wieder und spätestens seit dem 19. Jahrhundert überwiegend zum mennonitischen Leben.

    Dazu zählte auch systemische Gewalt, wie einige Fälle sexuellen Missbrauchs in der neueren Zeit ans Tageslicht gebracht hätten. Joel Driedger (Karlsruhe) verdeutlichte dies am Fall des mennonitischen Theologen John Howard Yoder.

    Kirche neu denken

    Eine vom Vorsitzenden des Vereins für Freikirchenforschung, Andreas Liese (Bielefeld), geleitete Podiumsdiskussion rückte aktuelle freikirchliche Bünde und Neugründungen in den Mittelpunkt, die sich an den historischen Täufern orientierten. In Österreich und in Schweden etwa seien unterschiedliche Freikirchen in Bünden vereint und in Großbritannien verstehe sich das „Anabaptist Mennonite Network“ nicht als Institution, sondern als Netzwerk. Im aktuellen Verlust der gesellschaftlichen Position der Christen sehen dessen Mitglieder die Chance, Kirche neu zu denken und „Ballast“ abzuwerfen.

    Aufarbeitung der täuferischen Geschichte

    Ein letzter Programmpunkt der Tagung widmete sich der Aufarbeitung der täuferischen Geschichte von Verfolgung und Martyrium im ökumenischen Kontext. Andrea Strübind (Oldenburg) und Lothar Triebel (Bensheim) zeigten anhand der Dialoge, die zwischen verschiedenen lutherischen, katholischen und mennonitischen Verbänden abgehalten wurden, dass trotz aller Bereitschaft zum Gespräch und zum gegenseitigen Verständnis die Täufer immer noch eine „Sonderrolle“ einnehmen. Es sei in den Augen der „großen“ Kirchen keineswegs eine Selbstverständlichkeit, sie zum pluralen Spektrum der Reformation zu zählen. Uwe Swarat (Elstal) sprach den Umgang mit den Verurteilungen der Täufer in der „Confessio Augustana“ von 1530 an. Es bleibe abzuwarten, welche Debatten darüber in den Jahren bis 2030 entstehen werden.

    Die Tagung in Elstal habe deutlich gemacht, wie präsent das täuferische Erbe im Bewusstsein heutiger Kirchen und Gesellschaften sei. Allerdings hätte die Tagung auch gezeigt, wie interessegeleitet Geschichtsschreibung sei und dass Geschichte deshalb immer wieder neu geschrieben werden müsse.

    Verein für Freikirchenforschung (VFF)

    1990 gründeten Theologen und Historiker aus verschiedenen Freikirchen den Verein für Freikirchenforschung. Initiator war Professor Dr. Robert Walton, seinerzeit Direktor des Seminars für Neue Kirchen- und Theologiegeschichte der Theologischen Fakultät der Universität Münster. Heute hat der Verein Mitglieder aus 27 Denominationen. Fach- und Laienhistoriker aus zwölf Ländern gehören ihm an. 180 Einzelpersonen und 21 Institute arbeiten zusammen, um wissenschaftliches Arbeiten im Rahmen der Freikirchenforschung zu fördern.

    Der VFF befasst sich mit theologischen und kirchengeschichtlichen Themen aus freikirchlichen Blickwinkeln. Er fördert wissenschaftliches Arbeiten im Rahmen der Freikirchenforschung. Dazu unterhält der Verein auch eine freikirchliche Fachbibliothek, die ihren Standort an der Theologischen Hochschule der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Friedensau bei Magdeburg hat.

    Darüber hinaus möchte der VFF Freikirchen bei der sachgerechten Archivierung von Quellenmaterial und beim Auf- und Ausbau von Archiven unterstützen.  Tagungsbeiträge und Forschungsberichte werden im Jahrbuch des Vereins für Freikirchenforschung veröffentlicht.

    Weitere Informationen: www.freikirchenforschung.de.

    Theologische Hochschule Elstal

    Die Theologische Hochschule Elstal ist eine durch das Land Brandenburg staatlich akkreditierte kirchliche Hochschule in Trägerschaft des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden K.d.ö.R. Sie hat im Jahr 2007 nach der Begutachtung durch den Wissenschaftsrat die institutionelle Akkreditierung als Fachhochschule erhalten und ist 2013 erfolgreich institutionell reakkreditiert worden. Damit hat sie das Recht, staatlich anerkannte Hochschulabschlüsse zu verleihen.

    Die Theologische Hochschule Elstal bietet drei akkreditierte Studiengänge mit staatlich anerkannten Studienabschlüssen an: Bachelor-Studiengang Evangelische Theologie, Master-Studiengang Evangelische Theologie und Master-Studiengang Diakonie und Sozialtheologie.

    Weitere Informationen: https://www.th-elstal.de/

  5. Die Delegierten des Süddeutschen Verbandes der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten haben beschlossen, die Kirchenleitung zu beauftragen, alle notwendigen Schritte zu unternehmen, um die organisatorische Einheit der adventistischen Freikirche in Deutschland herzustellen. Nachdem die Delegierten des Norddeutsche Verbandes vor bereits fünf Jahren einen vergleichbaren Beschluss gefasst haben, verfolgen nun beide deutschen Verbände das Ziel einer Fusion. Die Delegierten der beiden adventistischen Verbände in Deutschland (Norddeutscher und Süddeutscher Verband – NDV/SDV) tagten am 15. und 16. Mai auf dem Gelände der Theologischen Hochschule Friedensau (bei Magdeburg) sowohl in gemeinsamen als auch in getrennten Sitzungen.

    Auf Antrag der Mittelrheinischen Vereinigung (die Verwaltungsgemeinschaft der adventistischen Gebietskörperschaften in Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland) beschlossen die Delegierten des Süddeutschen Verbandes in einer getrennten Sitzung „die Verbandsausschüsse im SDV und NDV zu bitten, zeitnah die verfassungsgemäß notwendigen Schritte und Beschlüsse vorzubereiten, um die organisatorische Einheit unserer Freikirche in Deutschland herzustellen.“ In schriftlicher Abstimmung votierten 183 Delegierte mit Ja, es gab 102 Gegenstimmen. Bereits 2017 sprachen sich die Delegierten des Norddeutschen Verbandes auf ihrer turnusgemäßen Tagung mit großer Mehrheit (160 Ja-, 47 Nein-Stimmen) dafür aus, die beiden deutschen Verbände mittelfristig zusammenzulegen.

    Trend zur verstärkten Zusammenarbeit

    Damit setzt sich der Trend zur verstärkten Zusammenarbeit der beiden adventistischen Verbände in Deutschland fort. Neben einer deutschlandweiten gemeinsamen Finanzverwaltung für die Freikirche existieren schon seit längerem bundesweite Einrichtungen, wie das Religionspädagogische Institut (RPI), das Institut für Weiterbildung (IfW), der Deutsche Verein für Gesundheitspflege (DVG), das Advent-Wohlfahrtswerk, die Presse- und Informationsstelle, das Referat für zwischenkirchliche Beziehungen, die Zentralstelle für Weltanschauungsfragen und das Referat Kriegsdienstverweigerung. Ebenfalls gibt es nur noch ein Zentrallager in Deutschland für den Materialbedarf der Ortsgemeinden. 2016 ist für beide Verbände zum ersten Mal ein gemeinsamer Finanzvorstand gewählt worden.

    Auf der Delegiertentagung wurde ebenfalls beschlossen, alle Leitungspositionen – mit Ausnahme der Präsidenten – für beide Verbände in Personalunion zu besetzen (s. Meldung von gestern: https://www.apd.info/2022/05/17/adventisten-in-deutschland-waehlen-freikirchenleitung/) Ebenfalls soll nach einem Anfang Dezember 2020 gefassten Beschluss der Exekutivausschüsse beider Verbände eine gemeinsame Verwaltungsdienststelle für beide Verbände geschaffen werden, die ihren Sitz in Darmstadt haben wird.

     Adventistische Organisationsstruktur

    Die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Deutschland ist Teil einer weltweit organisierten Kirche. Deren örtliche Adventgemeinden in einem oder mehreren Bundesländern sind zu einer regionalen Verwaltungsgemeinschaft (Vereinigung) zusammengeschlossen. Mehrere Vereinigungen bilden als überregionale Kirchenleitung einen Verband. Den Verbänden global übergeordnet ist die Generalkonferenz als weltweite Kirchenleitung. Die Generalkonferenz unterhält als Abteilungen (Divisionen) insgesamt 13 teilkontinentale Kirchenleitungen. Für die deutschen Adventisten ist die Intereuropäische Division mit Sitz in Bern/Schweiz zuständig. Ursprünglich gab es in Deutschland den Ostdeutschen, Westdeutschen und Süddeutschen Verband. Schon Mitte der 1980er- Jahre hat es erste Empfehlungen gegeben, den West- und Süddeutschen Verband, und nach der Wiedervereinigung Deutschlands auch den Ostdeutschen Verband, zu einem Verband zusammenzulegen. Jedoch haben sich 1992 lediglich der Ost- und Westdeutsche Verband zum Norddeutschen Verband zusammengeschlossen.

    Weitere Beschlüsse

    Auf Antrag der Verwaltungsgemeinschaft Berlin-Mitteldeutsche Vereinigung beschlossen die Delegierten des Norddeutschen Verbandes, bei Sanierungen und Neubauten von kirchlichen Gebäuden auf Nachhaltigkeit zu achten und die ökologischen Aspekte des Betriebs zu berücksichtigen und entsprechende Fördergelder in Anspruch zu nehmen. Außerdem wird in die Verfassung des Norddeutschen Verbandes ein Passus zur Förderung der Gleichstellung eingefügt. Dafür stimmten mehr als zwei Drittel der NDV-Delegierten.

    Weniger Mitglieder, stabile Finanzen

    Aus dem Konferenzbericht geht hervor, dass die Zahl der adventistischen Kirchenmitglieder in den letzten fünf Jahren leicht von 34.948 auf 34.285 gesunken ist. Auch die Zahl der adventistischen Kirchengemeinden sank von 555 auf 546. Die finanzielle Lage der Verbände ist stabil geblieben.

    Krankenhäuser, Schulen, Medien und soziale Aktivitäten

    Die Freikirche in Deutschland betreut durch ihren Jugendverband rund 5.000 Pfadfinder, Teenager und Jugendliche. Sie ist in jedem Bundesland eine Körperschaft des öffentlichen Rechts. Sie unterhält das Berliner Gesundheitsnetzwerk Waldfriede mit dem gleichnamigen Krankenhaus der der Klinik „Nikolassee“, die Theologische Hochschule Friedensau bei Magdeburg, das Schulzentrum Marienhöhe in Darmstadt, sowie weitere Grund- und Realschulen sowie Kindergärten. Das Advent-Wohlfahrtswerk e. V. ist Träger von Seniorenheimen, Kindergärten, Hospizen und weiteren sozialen Einrichtungen. Auch das Medienzentrum Hope Media Europe in Alsbach-Hähnlein bei Darmstadt, mit dem Sender Hope TV, der Hope-Hörbücherei und dem Hope Bibelstudien-Institut sowie der Advent-Verlag, Lüneburg, stehen unter adventistischer Leitung. Der Deutsche Verein für Gesundheitspflege setzt sich in Regionalgruppen sowie u. a. durch Seminare und die Ausbildung von Gesundheitsberatern für die Gesundheitsförderung ein. Die Entwicklungshilfeorganisation ADRA Deutschland gehört zum weltweiten ADRA-Netzwerk und ist in vielen Ländern mit humanitären Hilfsprojekten engagiert.